Marktentwicklung und Wachstumsbranchen
Die Ukraine belegt in Bezug auf Landesgröße (603.700 km2) weltweit Rang 43 und in Bezug auf die Einwohnerzahl (46,5 Mio.) Platz 25. Laut neusten UN Schätzungen sinkt die Bevölkerungsdichte der Ukraine jedoch aufgrund der niedrigen Geburtenrate und Auswanderung. Die Ukraine besitzt insgesamt sechs große Ballungszentren, von denen fünf mehr als eine Millionen Einwohner haben. Die Bevölkerungsdichte ist in den industrialisierten Regionen im Osten des Landes am höchsten, vor allem im Donbass Gebiet. Kiew ist mit über 2,5 Millionen Einwohnern mit Abstand das größte Ballungsgebiet.

Die deutlichste positive Entwicklung in den Jahren 2005-06 war der beträchtliche Anstieg ausländischer Investitionen. Sogar wenn man berücksichtigt, dass mehr als 50% der ausländischen Direktinvestitionen der letzten zwei Jahre allein durch zwei Käufe zustande kamen – nämlich jenen des ukrainischen Stahlwerk-Riesen Kryvoryzhstal durch die Mittal Group und jenen der führenden einheimischen Bank Aval durch Raiffeisen International im größten privaten M&A Geschäft der ukrainischen Geschichte, ist das Land nun definitiv auf der Landkarte vieler ausländischer Investoren markiert. Besonderes Interesse besteht am Kauf von Banken und Versicherungsgesellschaften, Immobilien, Unternehmen der Lebensmittelverarbeitung, Metallurgie, Bergbau, Telekommunikation und Tourismus Anlagen. „Der Flaschengeist wird bald befreit“, sagen ausländische Investoren. Neben Raiffeisen International sind auch eine Reihe österreichischer Versicherungsunternehmen und europäischer Produktionsfirmen mit regionalem Hauptsitz in Wien in letzter Zeit in den ukrainischen Markt vorgedrungen. Deutschland und Österreich waren die letzten 15 Jahre unter den zehn größten Quellen ausländischer Direktinvestitionen in die Ukraine.
Trotz einiger offensichtlicher Herausforderungen – langsameres BIP Wachstum, höhere Energiepreise und steigende Inflation – ist der Konjunkturausblick für die Ukraine im Jahr 2007 insgesamt positiv. Insbesondere gibt es noch viel unrealisiertes natürliches Potenzial, das dem Land zugute kommen wird. Es profitiert von einem noch nie da gewesenem Maß an ausländischen Direktinvestitionen, der Einführung neuer Technologien und dem Transfer von Know-how. Es besteht außerdem die Hoffnung, dass die neue Regierung eines Tages der WTO beitreten und damit die Restriktionen des letzten Jahrzehnts aufbrechen wird, die die Ukraine dringend gebrauchter ausländischer Investitionen beraubte und zu einer langsamen Wirtschaftsentwicklung führte. Zusätzlich hat die Ukraine viele wichtige Assets, die privatisiert werden können. Das wiederum könnte eine Vielzahl neuer Investitionszugänge hervorrufen – nicht nur direkt, sondern auch indirekt, da solche Geschäfte die Aufmerksamkeit auf das generelle Potenzial der Ukraine lenken.
Die aufstrebende Ukraine holt aufgrund der Lohn- und Produktivitätssteigerung zunehmend zu den anderen ehemalig kommunistischen Ostblock-Ländern auf, obwohl der fehlende Konsens über Privatisierungen und Wirtschaftspolitik die politische Elite weiterhin teilt.
Gefragter Standort mit natürlichen Vorteilen
Ein Grund, warum westeuropäische Investoren sich für die Ukraine entscheiden, ist ganz einfach die geographische Lage. Für multinationale Konzerne, die bereits nach Rumänien und Bulgarien expandiert sind, ist es meist der nächste natürliche Schritt auch in der Ukraine aktiv zu werden. Überdies ist das Land ein guter Standort, um den EU-Markt zu bearbeiten. Die Ukraine wendet bereits für einige wirtschaftliche Regelungen und Normen EU-Richtlinien an und da darüber hinaus ein Freihandelsabkommen mit Russland und anderen GUS Mitgliedern besteht, nutzen internationale Konzerne den Standort für den Export in beide Richtungen.
Die Ukraine verfügt über reichhaltige Bodenschätze und ist außerdem ein wichtiges Transitland für Energie und Produkte zwischen der EU und Russland sowie Asien. Drei von neun transeuropäischen Transportkorridoren verlaufen durch die Ukraine, und das Land verfügt über eine ausgedehnte Küstenlinie am Schwarzen Meer mit mehreren großen Häfen. Überdies hat die Verbesserung der Transportinfrastruktur höchste Priorität für die Regierung.
Abgesehen von der strategisch günstigen Lage ist ein wichtiger Vorteil für Investoren, dass das Land selbst ein großer Wachstumsmarkt ist. Es hat über 46 Millionen Einwohner, schnell wachsenden Konsum, niedrige Marktsättigung und wenig Konkurrenz in vielen Sektoren. Da der Markt reift und immer mehr Unternehmen aktiv werden, die nach höherer Professionalisierung streben, steigt auch das Marktpotenzial für Berater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte deutlich.
Bildungswesen, Personal und Arbeitsmarkt
Die Ukraine war das zweit-wichtigste F&E Zentrum für Verteidigung und Wirtschaftsingenieurwesen in der USSR und verfügt heute noch immer über das strenge und wissenschaftlich-orientierte sowjetische Bildungswesens. Es besteht Schulpflicht für alle im Alter von 6-15. Das Land verfügt über 10 Universitäten und einer Vielzahl an spezialisierten Akademien. Die Ukrainische Regierung investiert 20% ihres Budgets – also 5% des BIP – in die Bildung, was noch nicht genug ist, da das BIP insgesamt recht gering ist.
Die Ukraine ist für ihre Human Ressourcen bekannt, die von Investoren als intelligent, hoch motiviert, gebildet und hoch qualifiziert beschrieben werden. Sie verfügen über Potenzial selbst in hochtechnologischen Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Biologie und Nanotechnologie. Arbeit ist kostengünstig, mit Gehältern die sich auf ca. ein Viertel des mitteleuropäischen Niveaus belaufen. Die Arbeitslosenquote ist hoch, besonders im Westen und möglicherweise auch bald in vielen mono-industriellen Städten, wenn sie zur Restrukturierung gezwungen werden.
Trotz der guten Voraussetzungen kann es schwierig sein, Spitzenpositionen zu besetzen. Führungskräfte, die fähig sind globale Firmen zu repräsentieren, verlangen in der Regel eine hohe Vergütung und sind meist schon in guten Positionen tätig. Viele einheimische Firmen, die ausländische Investoren kaufen wollen, haben Bedarf an qualifiziertem. Doch der Recruiting-Markt reift sehr schnell, was einen Mangel an Fachkräften mit sich bringt.
Der monatliche Mindestlohn beträgt derzeit UAH 400,-. Es werden 12 Monatsgehälter (wahlweise mit Bonus) pro Jahr gezahlt. Lohnsteuer beträgt pauschal 15%. Der Sozialversicherungsbeitrag (Lohnsteuerobergrenze ist UAH 7.875.-) beträgt für den Arbeitgeber 37,4%. Arbeitnehmer zahlen hingegen nur 3,5%. Zusätzlich muss ein Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung zwischen 0,66 und 13,8% bezahlt werden, der auf beide Parteien aufgeteilt werden kann.
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