Arbeitsmarkt, Personal und Bildung
Die Niederlande verfügen über sehr gut ausgebildete, flexible und motivierte Arbeitskräfte. Holländische Spezialistinnen und Spezialisten zählen zudem zu den besten mehrsprachigen Nationalitäten der Welt, was ihnen ermöglicht, erfolgreich in Firmen zu agieren, die Kunden auf dem ganzen Kontinent zu bedienen haben. Trotz des zunehmend flexiblen Arbeitsmarkts sind die Abgaben unter den höchsten in Europa; die Sozialleistungen sind gut aber teuer.
Die Beteiligung an Bildungsprogrammen ist hoch in den Niederlanden: von den 16 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern besuchen fast 3,5 Millionen verschiedene Arten von Bildungseinrichtungen. Eine/einer von drei Schulabgängerinnen/
Schulabgängern schließt heute mit einem universitären Abschluss ab.
Nichtsdestotrotz wird das Land als traditionelles Wissenszentrum in den nächsten Jahren mit einigen Herausforderungen konfrontiert werden. Die wichtigsten sind der Bedarf an weiter verbesserter Bildungsqualität, Chancengleichheit sowie Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten und spezifisch gestaltete Bildungs- und Beratungsinhalte.
Das niederländische Bildungssystem sieht nach der Grundschule (4.-12. Lebensjahr, »basisonderwijs«) einen Sekundarunterricht generell bis zum 16. Lebensjahr vor; für Jugendliche, die keine Ausbildung abgeschlossen haben sogar bis zum 18. Lebensjahr.
2007 waren insgesamt 585.903 Studentinnen und Studenten an einer der 14 Universitäten und der 44 staatlich geförderten Fachhochschulen eingeschrieben. Von diesen kamen 49.750 Universitätsstudentinnen und -stu-denten aus dem Ausland, 82.100 ausländische Studentinnen und Studenten studierten an den staatlichen Fachhochschulen. Deutsche stellen mit ca. 16.750 vor jungen Menschen aus China und Belgien die größte Gruppe ausländischer Studierender in den Niederlanden dar. Die Studienabschlüsse (Bachelor, Master, PhD) orientieren sich seit 2002 an den im Bologna-Prozess vereinbarten neuen Strukturen für Studiengänge. Derzeit schließen jährlich rund 90.500 Studentinnen und Studenten erfolgreich ihr Studium ab.
Darüber hinaus werden im Rahmen so genannter »Internationaler Studien« Kurse und Studiengänge in englischer Sprache angeboten.
Englisch ist die zweite Sprache für alle qualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten sowie für die meisten Arbeiter/innen und dominiert in den Schulen, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und im öffentlichen Leben. Aufgrund der multikulturellen Gesellschaft gibt es in den Niederlanden eine Vielfalt an Nationalitäten, weshalb auch einige andere Sprachen einen wichtigen Stellenwert haben. Deutsch ist seit 2007 nicht mehr für alle Schüler/innen Pflichtfach, die Nachfrage ist jedoch wieder gewachsen und es werden stets Arbeitskräfte mit guten Deutschkenntnissen gesucht.
Die reguläre Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche mit 20 bis 30 bezahlten Urlaubstagen jährlich. Das Bruttomindestgehalt beträgt EUR 1.264,80 pro Monat, exklusive 8% Urlaubsgeld. Die Niederlande haben einen sehr flexiblen Arbeitsmarkt mit ca. 800.000 unabhängigen Unternehmern. Die Flexibilität der Arbeitsverträge ist hoch, wird aber beschränkt mit längerfristigen Arbeitsverträgen.
Teilzeitarbeit ist weit verbreitet, sorgt aber teilweise für nicht genug Einkommen, um das Leben zu finanzieren. Zusätzliche Aushilfstätigkeiten sowie Saisonarbeit in der Landwirtschaft und im Gartenbau sind deshalb recht gängig, Anstellungen durch persönliche Kontakte kommen relativ häufig zustande. Mündliche Information und Referenzen werden in Bewerbungs- und Auswahlprozessen als hilfreich und wichtig angesehen. Leiharbeitsfirmen, Anzeigen in Zeitungen oder im Internet sind auch gängig und bieten eine exzellente Chance für Arbeitssuchende.
2007 stieg die Beschäftigungsrate um 2,6% und die Arbeitslosigkeit sank aufgrund des starken wirtschaftlichen Wachstums. Es wird erwartet, dass der Anstieg der Beschäftigungsrate dieses Jahr (+2,25%) und besonders nächstes Jahr (+1,25%) aufgrund der internationalen Entwicklungen abflaut.
Die Anzahl an freien Stellen steigt langsamer als die Arbeitslosigkeit, so dass der Anteil der arbeitslosen Bevölkerung 2009 der Prognose nach wieder ansteigen soll und der Arbeitsmarkt zum ersten Mal seit vier Jahren rückläufig ist. Im ersten Quartal 2008 stieg die Zahl der Arbeitsstellen um 2,2% oder 172.000, das sind mehr als im ersten Quartal 2007. Der Anstieg an freien Stellen war am größten im Dienstleistungs- (+4,3%) und Einzelhandelsektor (+3,6%), obwohl der Wachstum an Dienstleistungen hinterherhinkt. Die Anzahl der Stellen ging im landwirtschaftlichen Sektor (-0,7%) und in der öffentlichen Verwaltung (-0,2%) leicht zurück. 2009 wird das Wachstum an freien Stellen speziell im Handelssektor zurückgehen (+0,25%). Stellen im Pflegebereich werden weiterhin konstant steigen mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 2,25% für 2009.
Die Arbeitslosenquote von derzeit 3,9% soll laut CPB in diesem Jahr auf 5,5% und 2010 bis auf 8,75% steigen. Ungeachtet der negativen Wirtschaftsdaten soll vor allem wegen niedrigerer Energiekosten die Kaufkraft der Niederländer im laufenden Jahr um 2,25% zunehmen.
Momentan liegt das Pensionseintrittsalter bei 65 Jahren, obwohl es flexibel gehalten wird. Allerdings wird angenommen, dass es auf 67 Jahre ansteigen könnte.
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